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Trübe Aussichten für BASF: Aktie trotzdem halten

Anders als Bayer hat BASF schon immer ein verantwortungsvolles und aktionärsfreundliches Management gehabt. Während das Bayer in einem Anflug von Grössenwahn Milliarden in Monsanto versenkt und dann im Gegenzug einen Abbau von Arbeitsplätzen ankündigt, fährt man bei BASF in ruhigeren Gewässern und langfristig stabiler.

Aktuell ist BASF mit mehreren Problemen konfrontiert, die für den scharfen Rückgang der Aktie verantwortlich sind. Nicht alle sind aber von dauerhafter Natur:

  • Geringere Nachfrage aus der Bau- und Autoindustrie
  • Tiefe Wasserpegel im Rhein, was den Transport von Chemikalien auf dem Fluss behindert
  • Tiefe Ölpreise

Während schwer vorherzusagen ist, ob sich die Nachfrage aus der Industrie bald wieder erholt, wissen wir, dass der Rhein bald wieder normale Pegelstände führen wird. Der Einfluss des Rheins ist recht hoch. Dies wird BASF allein im 4. Quartal 200 Millionen € an Profit kosten. Die Vergangenheit zeigt aber, dass Wettereinflüsse nur kurzfristig auf Kurse einwirken. Die Öl-Staaten sind bemüht und zuletzt auch erfolgreich, den Ölpreis zu stabilisieren. Nicht nur die OPEC kürzt die Förderquoten, auch Russland hat sich einer Kürzung angeschlossen.

Das Management hat sich zu einer stabilen Dividende bekannt, die jetzt über 5% liegt. Das sollte den Kurs nach unten stützen. Da BASF sein Öl- und Gasgeschäft abgibt und dafür bis zu 8 Milliarden Euro erzielen wird, droht auch von der Bilanz keine Gefahr, weil Schulden deutlich reduziert werden können.

Auf diesem Niveau (58 Euro) ist BASF, auch nach der letzten Gewinnwarnung, nicht teuer und eignet sich als Basisanlage für einen langen Zeitraum von mindestens 5 Jahren. Aufgrund der aktuell hohen Volatilität der Aktie bietet sich ein Einstieg über ein Bonuszertifikat an.

Wirecard, Adyen und Ingenico - wirklich innovative Fintechs?

19.11.2018 Bei Wirecard & Co, den neuen All-in-one Payment Plattformen, ging letztens die Post an der Börse ab. Bis zu 100% Kursgewinn auf Jahresfrist. Bei Wirecard erreichte die Marktkapitalisierung sogar die der Deutschen Bank. Hohes Wachstum verspricht hohe Gewinne in der Zukunft, daher gestanden Anleger Wirecard und den anderen Zahlungsabwicklern KGVs von über 50 zu.

Sind diese Firmen wirklich so innovativ?

Natürlich ist der gesamte Online-Handel eine Innovation. Dazu gehört auch die Abwicklung von Online-Zahlungen. Ich sehe hier nur nicht, was wirklich neu ist. Zahlungen via Kreditkarten oder Online-Wallets wie Paypal hat es schon vorher gegeben. Neu ist einzig, dies aus einer Hand auf einer Plattform anzubieten und dazu noch ein paar Analyse-Tools zum Fraud-Check (intelligente Software, die Betrug möglichst früh erkennt und verhindert). Wenn Sie einen Online-Shop betreiben, können Sie also zu Wirecard gehen und auf deren Plattform sämtliche Zahlungen abwickeln. Der grosse Vorteil ist in der Vielfalt der Zahlungsmöglichkeiten, die alle auf einer Plattform angeboten werden. Wirecard bietet Ihnen verschiedene Pakete an, die z.B. auch die Betrugsvorsorge beinhaltet. Je nach Konfiguration können Sie nur die simple Zahlungsabwicklung in Anspruch nehmen, was Sie relativ tiefe Gebühren mit niedrigen Prozent-Bereich kostet. Oder Sie gehen auf das grosse Programm mit Betrugsprävention und möglichen Zahlungsgarantien, was dann aber erheblich teurer wird. Das Problem ist:

Tiefe Einstiegsbarriere für die Konkurrenz

Allein, das es schon so viele Firmen in diesem Geschäft gibt (die 3 Namen im Titel sind nur ein Beispiel), zeigt, dass die Einstiegsbarrieren für dieses Geschäft tief liegen. Eine Abwicklungsplattform via Mastercard, Amex und Visa aufzusetzen, ist heute nicht mehr schwer. Dann fügt man eine grosse Anzahl von Online-Wallets wie Paypal, Apple Pay oder Amazon Pay hinzu. Wenn man Betrugs-Erkennung anbieten will, kann man sich an die grossen Datensammler wie Experian oder Equifax wenden und diese integrieren in die Abwicklung. Einen grossen Kundenstamm braucht man zum Start auch nicht, weil die Fixkosten für die Plattform vernachlässigbar sind.

Daher ist mir unverständlich, wie diese Firmen derart hohe Bewertungen erreichen. Es gibt keinen Schutz vor Konkurrenz und der Einstieg für neue Mitbewerber ist leicht. Das wird über kurz oder lang zu erheblichen Margendruck führen.

Bei Wirecard wundert mich auch die Art der Kommunikation. Eine Vielzahl von Meldungen kommen an den Markt und es wird auch der kleinste Erfolg in einer Meldung verpackt. Ein Beispiel dafür war die Meldung, dass man TAV Operation Services als Kunde gewonnen hat. Die Firma betreibt eine Handvoll Flughafen-Lounges, genannt "primeclass Lounge". Dort können Chinesen nun Alipay verwenden, auf Basis der Wirecard Plattform. Diese Kooperation wurde als wichtige Mitteilung an die Börse gegeben. Nun kann sich jeder selbst fragen, wie oft wird in einer Flughafen-Lounge etwas bezahlt? Die meisten Besucher kommen in eine Lounge, weil es deren Flugticket erlaubt (z.B. Business Class). Das grosse Zahlungen in Lounges abgewickelt werden, davon habe ich noch nie gehört. Solche Kurs-Push Nachrichten sind üblicherweise ein negatives Zeichen.

Wenn Quartalszahlen mies sind - die Schlecht-Wetter-Ausrede

25.10.2018 Wenn Sie nicht gerade ein Hersteller von Eiscreme sind, wird die mittlerweile inflationär genutzte Ausrede des schlechten Wetters von Vorständen gern genutzt, um einen Grund für die nicht so guten Zahlen zu nennen. Das es vielleicht strukturelle Probleme oder ein verändertes Kundenverhalten gibt - Schwamm drüber. Das schlechte Wetter ist schuld! Die Entschuldigung kann man natürlich auch im Gegenteil verwenden, das Wetter war einfach viel zu gut.

Eines dieser Beispiele: ZALANDO

Hier kamen Zahlen am Markt gar nicht gut an, nach einem Quartalsbericht brach die Aktie um über 12% ein, in einem sonst freundlichen Marktumfeld. Der Vorstand gab an, dass die Käufer wegen des heissen Sommerwetters keine Lust auf Online Bestellungen hatten. Ich habe daraufhin die Investor Relations Abteilung gefragt, ob man das genauer erklären könnte. Herr Nils Pöppinghaus hat mir dann geantwortet, dass es doch wohl sonnenklar sei, die Leute liegen halt lieber am Strand oder am Pool und haben daher keine Zeit für Zalando. Dabei wurde ich ungefragt "geduzt", was aber nicht weiter schlimm ist.

Wenig später haben andere Modeunternehmen ebenfalls ihre Zahlen veröffentlicht, wohlgemerkt für das gleiche Quartal:

  • ASOS: äusserst starker Verkauf von Sommermode, Aktie 16% plus nach den Zahlen an einem Tag
  • H&M: 30% Anstieg von Online Sales im Sommer-Quartal, die Aktie steigt von 130 SEK auf 168 SEK
  • Boohoo: Aktie plus 25% nach Rekord-Quartal im Hochsommer
  • Otto-Versand: Rekord-Verkäufe im Sommerquartal in Mode. Otto ist nicht gelistet

Das soll kein negatives Votum für Zalando sein. Die Firma ist gut aufgestellt. Nur sollte der Vorstand nicht diese Unsitte übernehmen, zu gutes oder schlechtes Wetter als Begründung für ein schlechtes Quartal zu nehmen. Am Ende kommt dann noch Zooplus an und meint, die Hunde hätten wegen der Hitze viel weniger Hunger gehabt.

Über trendshare.de Auf trendshare.de möchten wir Dinge ansprechen, die in Magazinen wie Börse Online oder €uro eher nicht zur Sprache kommen. Das hat nichts mit der Qualität der Magazine zu tun, beide schätzen wir sehr. Es ist aber immer ein Problem, z.B. Vontobel oder Goldman Sachs für deren Zertifikate und Optionsscheine zu kritisieren, wenn es gleichzeitig sehr gute Anzeigenkunden sind. Gerade Börse Online war viel kritischer zur hohen Zeit des Neuen Marktes, als die Auflage in enorme Höhen schoss und es man sich leisten konnte, hohe Preise für Anzeigen aufzurufen. Mittlerweile ist die Auflage um 2/3 zurückgegangen und man ist auf die Anzeigen mehr angewiesen und lässt entsprechend "Milde walten".